Als Pädagogin werde ich immer wieder gefragt, wie man sein Kind optimal auf die Schule vorbereitet. Da gilt für mich grundsätzlich, dass es keiner direkten Vorbereitung bedarf. Denn die Schule hat die Aufgabe, jedes Kind dort abzuholen, wo es in seiner Entwicklung steht.

Muss ich mein Kind auf die Schule vorbereiten?

Zu Hause kann man den Fokus in erster Linie auf Alltagshandlungen, wie etwa Schuhe binden, Reißverschluss zumachen oder die Schultasche öffnen und schließen, legen. Man darf sein Kind für die Schule begeistern und die Neugierde am Lesen -, Schreiben – & Rechnenlernen fördern.

Spielerisches Üben der Vorläuferfähigkeiten

Viele Kinder können es kaum erwarten, in die Schule zu kommen und möchten bereits im Vorfeld „für die Schule üben“. Dieses Üben ist am besten sehr spielerisch und bewegungsorientiert. Dem Kind Lesen, Schreiben oder Rechnen zu zeigen, macht wenig Sinn, besser ist eine Förderung der Vorläuferfähigkeiten, also all jenen Fähigkeiten, die ein Kind zum Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen braucht.

Die Basis eines erfolgreichen Leselernprozesses

Im heutigen Blogartikel geht es um die Vorläuferfähigkeiten zum Lesenlernen. Das Unterteilen von Wörtern in Silben, das Heraushören und Bestimmen von An-, In- und Endlaut sowie das Reimen bilden die Basis eines erfolgreichen Leselernprozesses.

Man kann die drei Bereiche wunderbar spielerisch und motivierend üben:

1. Silbenhüpfen

Ihr braucht:

  • Straßenkreiden

So geht`s:

Male fünf hintereinander liegende Kreise auf. Die Kreise sollen so groß sein, dass dein Kind noch gut darin stehen kann.

Du rufst nun ein Wort, dein Kind spricht das Wort langsam nach und hüpft dabei die Silben mit. Bei dem Wort „Tomate“ wird also dreimal gehüpft „To-ma-te“.

Silben springen

Fällt eurem Kind die Übung schwer, könnt ihr die Wörter zuvor gemeinsam klatschen!

Alternativen:

  • Silben klatschen, patschen, stampfen
  • Bildkärtchen oder Gegenstände nach Anzahl der Silben ordnen
  • Würfeln und ein Wort mit der passenden Anzahl an Silben sprechen
  • Silbenspiele, LÜK – Spiele

2. Anlaut – Einkauf

Eine weitere wichtige Vorläuferfähigkeit beim Lesen und Schreiben Lernen ist das Heraushören von Lauten (Anlaut – Inlaut – Endlaut). Beim Anlaut – Einkauf könnt ihr dies trainieren.

Ihr braucht:

  • Pappe
  • Einen dicken Stift
  • Alternativ: Spielzeug-Einkaufswagen, Einkaufskorb
  • Kleine Zettel + Bleistift
Einkaufen nach Anlauten

Vorbereitung:

Als Erstes malt ihr euren Einkaufswagen auf ein größeres Stück Pappe. Ihr könnt auch einen Spielzeug-Einkaufswagen oder einen Einkaufskorb verwenden, wenn ihr möchtet. Schreibt nun einen geläufigen Anlaut (M, G, H,..) auf einen kleinen Zettel und befestigt diesen auf eurem Einkaufswagen.

So geht`s:

Nun kann das Einkaufsspiel auch schon losgehen! Besprecht gemeinsam, welcher Buchstabe auf eurem Wagen hängt. Dann macht euch in eurer Wohnung auf die Suche nach Gegenständen, die mit diesem Laut beginnen und sammelt sie in eurem Einkaufswagen. Wichtig dabei ist immer wieder das Betonen der Laute!

Anlaut - Einkauf zum Buchstaben M

Man kann auch Inlaut oder Endlaut bei diesem Spiel üben: Hörst du ein „e“ im Wort? Welchen Laut hörst du am Ende?

Alternativen:

  • Sucht Dinge in Zeitungen oder Prospekten aus, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen und gestaltet Anlaut – Collagen
  • Macht lustige Experimente mit Wörtern, jedes Wort beginnt zum Beispiel mit „P“ (Pose statt Dose, Paus statt Maus usw.)
  • Das Lautespiel: ein Spieler nennt ein Ding (zum Beispiel „Dose“), der nächste Spieler muss nun mit dem Endlauf (in diesem Fall „e“) ein neues Wort bilden (zum Beispiel „Elefant“) – nun ist ein Wort mit „t“ gefragt.
  • Ich packe in meinen Koffer – lauter Dinge die mit „A“ beginnen
  • Wimmelbilder nach Lauten untersuchen – wer findet ein Wort mit „A“, „E“, ….

3. Reimpaare zusammenfinden

Ihr braucht:

  • Reimwörterkarten (hier findet ihr zum Beispiel einen tollen gratis Download)

So geht`s:

Teilt die Reimwörterpaare auf zwei Stapel auf. Den einen Teil türmt ihr vor euch auf. Den anderen Teil legt ihr am anderen Ende des Zimmers mit dem Bild nach oben auf. Damit die Übung noch lustiger und spannender wird, könnt ihr zwischen den beiden Kartenstapel eine kleine Bewegungslandschaft aufbauen. Legt beispielsweise Reifen, Kissen oder Bierdeckel zum Hüpfen auf, Seile zum Balancieren oder Sessel zum Durchkrabbeln oder Darüberklettern. Man nimmt nun eine Karte vom Stapel, balanciert über den Parcours und ordnet die Karte dem richtigen Reimwort zu.

Ich bin ein riesen Fan von Motorik- und Bewegungsspielzeug, daher haben wir einige tolle Sachen zu Hause, die wir für solche Spiele immer wieder verwenden. Auf dem ersten Bild seht ihr die Laufwippe von Höller Spiel, die verwenden wir richtig gern. Auf den anderen beiden Bildern nutzen wir Stapelsteine, die ihr ebenfalls bei Höller Spiel bekommt. Die kann ich euch von Herzen empfehlen, da man sie so vielseitig einsetzen kann.

Das Board ist von Seesaw Bridge. Das Unternehmen kann ich euch ebenfalls zu 100% empfehlen. Seesaw Bridge ist ein Familienbetrieb aus Deutschland, dort wird jedes Board mit Liebe selbst gemacht.

Alternativen

Mit Reimwortkärtchen könnt ihr zum Beispiel ein einfaches Memory spielen, zwei Reimwörter ergeben dabei ein Paar.

Reimwörter Memory

Ihr könnt auch ein lustiges Zuordnungsspiel – ähnlich dem ersten Spiel – im Sitzen spielen. Legt dafür den einen Teil der Reimwörter im Kreis mit dem Bild nach oben auf. Der andere Teil wird verdeckt in der Mitte gestapelt. Ihr deckt nun ein Kärtchen vom Stapel auf und ordnet es dem richtigen Reimwort im Kreis zu.

Ihr könnt daraus auch ein lustiges Wettspiel machen: Wer als Erstes auf das passende Reimwort mit der Hand oder mit einer Fliegenklatsche patscht, darf das Kärtchen behalten.

Ich hoffe, ich konnte euch mit den Ideen inspirieren und wünsche euch eine spaßige Schulvorbereitung!

Bald geht es weiter mit der Reihe – ich zeig euch noch einige lustige Ideen zur Schreibvorbereitung und zur Schulung der mathematischen Vorläuferfähigkeiten.

Alles Liebe, Sandra